Schreiben | Römische Schrift und Sprache

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Römische Schrift
picture by Carole Raddato

Tägliches Schreiben in der Antike

Im Alltag benutzten die Römer wieder eine etwas andere Schrift, da sie natürlich nicht nur per Monumente kommunizierten. Die Römer beschrifteten in alltäglicher Korrespondenz etwa Papyrus, Pergament und Wachstafeln. Auf diesen Materialien entwickelten sich andere Formen der römischen Kapitale.

Die capitalis quadrata gilt etwa als Buchschrift der Dichter und Denker (Vergil). Feierlich präsentiert sie sich ausdrucksvoll als Prachtschrift. Die capitalis rustica war dagegen etwas lässiger und im römischen Alltagsschreiben durchaus üblich. Sie ist flüssiger und hat Schwung. Die Buchstaben stehen dicht und sind sehr viel höher als breit.

Weiterentwicklung der Sprache: Sprach- und Schriftgebrauch

Ebenfalls für den alltäglichen Gebrauch entwickelte sich aus der capitalis die römische Kursive, welche die Römer für den Post- und den Geschäftsverkehr optimierten. Bekannt ist diese römische Schrift von Wachstafeln, Papyrusfragmenten und auch antiken Wandmalereien. Auch bei den Ausgrabungen in Pompeji und Herculaneum zeigte sich, dass sogar Händler und Marktleute ihre Namen, ihr Angebot und die Preise der Waren an Hauswände schrieben. Und sogar klassische Klosprüche wurden entdeckt- wer liebt wen …

Diese „Graffiti“ zeigten auch, dass sich die gesprochene Sprache und das klassische Latein eines Cicero in Grammatik und Vokabular erheblich unterschieden. Diese römischen Schriftfunde sind zudem Zeuge dafür, wie sich das „Vulgär-Latein“ in die Richtung einer romanischen Sprache entwickelte. Romanische Sprachen sind etwa Spanisch, Italienisch oder auch Französisch. In der gesprochenen Sprache der Römer entwickelten sich etwa Personalpronomina und bestimmte Artikel. Im klassischen Latein der römischen Literaten und Politiker etwa, wird dies durch geschickte Wortstellung möglichst vermieden.

Buchstaben passen sich dem Beschreibbaren an

Durch den römischen Beschreibstoff Papyrus und dessen Rillenstruktur tentierten römische Schreiber zur Schrägstellung ihrer Buchstaben, um sich der „Maserung“ des Schriftstücks anzupassen. Das kursive Schreiben der Buchstaben ermöglichte zudem eine höhere Schreibgeschwindigkeit, da die römischen Buchstaben so eher dahin flossen, denn „gemalt“ wurden. Insbesondere bei der Schreibweise der römischen, sehr beliebten Ligaturen, bot sich ein kursives Schriftbild an. Denn Ligaturen sind verschmolzene Buchstaben – also zwei zu einem (ligatura – heißt Verbindung) gemacht, der besseren Lesbarkeit halber. Allmählich setzte sich außerdem eine runder geformte Schrift durch. Die geraden Schäfte zeigten nun mehr Rundung. Zur gebräuchlichen Urkundenschrift entwickelte sich zwischen dem vierten und achten Jhd. die jüngere römische Kursive. In dieser Schrift waren bereits die Grundformen der späteren Minuskeln – der kleinen Buchstaben, die es bis hierhin noch nicht gab – angelegt.

Die römischen Buchstaben wurden immer differenzierter und weniger einheitlich. Ober- und Unterlängen von Buchstaben entwickelten sich in der römischen Schrift. Und da die glatte Oberfläche von Pergament für das Schreiben von sauberen Rundungen besser geeignet war, förderte die zunehmende Verwendung des aus Tierhäuten bestehenden Beschreibstoffs die Tendenz in der römischen Schrift zum „Rundschreiben“ – einer zunehmend geschwungenen Variante von Buchstaben.

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