Schreiben | Römische Schreiber und Kodizes

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Römische Schriftrolle aus Pompeji
picture by Andreas Hopson

Die alten römischen Schreiber

Die Schreiber im antiken Rom wurden nach der Zahl der geschriebenen Zeilen bezahlt. In einem Preisedikt Diokletians (306 n. Chr.) sind drei Tarifstufen aufgezählt. Am Rande des Textes wurden die Zeilen gezählt (Stichometrie). Da der Preis von privaten Abschriften genauso ermittelt wurde, müssen Handschriften mit stichometrischen Angaben nicht zwingend aus dem Buchhandel kommen. Zu einem Exemplar eines Buchhändlers gehört allerdings möglicherweise ein Papyrus der Universität Mailand, der am Ende eines Ilias-Kommentars in griechischer Schrift den Namen Sosos trägt. Der in Ägypten gefundene Papyrus könnte aus dem römischen Verlagshaus der Brüder Sosius stammen. Bei den Gebrüdern Sosius sind auch die Episteln des Horaz (65 bis 8 v. Chr.) erschienen.

Wandel des antiken Buches

Die antike Papyrusrolle blieb bis in das 2. Jhd. n. Chr. die vorherrschende Buchform. Daneben gab es bereits seit dem 6. Jhd. v. Chr. in Griechenland Frühformen des so genannten Kodex. Der antike Kodex oder Codex, (Mehrzahl Kodizes/Codices und lateinisch codex/codices), bezeichnet ursprünglich einen Stapel beschrifteter oder zur Beschriftung vorgesehener Holz- oder Wachstafeln. Später waren dies auch von zwei Holzbrettchen umschlossene „Blöcke“ zusammen gefalteter oder gehefteter Papyrus- oder Pergamentblätter.

Im Lateinischen bedeutete codex (ursprünglich caudex) übrigens „Baumstamm“ oder „Holzklotz“, später bezeichnete das Wort ein „Buch“ oder „Heft“. In der römischen Kaiserzeit war der Kodex neben der älteren Buchform, der Rolle in Gebrauch. Im 4. Jhd. n. Chr. setzte er sich als führende Buchform der Spätantike durch. Bis in die Neuzeit veränderte sich die Buchform kaum. Indem der Kodex die Rolle ablöste, wurde allerdings Papyrus zunehmend durch das edlere und teurere, jedoch vom Import unabhängige Pergament ersetzt.

Antike Holztafel-Kodices als Vorläufer des Neuzeitbuchs

Die antiken Holztafel-Kodices blieben in der Form von so genannten Diptycha (auch Triptycha oder Polyptycha, je nach Anzahl der „Seiten“) während der gesamten römischen Antike für verschiedene Zwecke in Gebrauch. Aus ihnen entwickelte sich die aus Pergamentbögen (selten Papyrus) zwischen zwei Deckel geheftete Form des Kodex.

Der antike Kodex war zunächst parallel zur Buchrolle in Gebrauch, löste diese aber bis zur Spätantike (4./5. Jhd. n. Chr.) als Standardform des antiken Buches ab. Die alten Papyrusrollen wurden sogar systematisch in Pergament-Kodices umgeschrieben. Der Grund: Die Kodices waren im Gebrauch bequemer und wurden von Christen bevorzugt. Der spätantike Kodex in dieser Form ist der Vorläufer des mittelalterlichen und des neuzeitlichen Buchs.

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