Volkstribun: Gaius Gracchus

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Volkstribun Gaius Gracchus; gemeinfrei via wikicommons.
(Silvestre David Mirys).

Gaius Gracchus als Volkstribun der Römer

Im Jahr 123 v. Chr. wurde der Bruder von Tiberius Gracchus, Gaius Gracchus, zum Volkstribun gewählt. Auch er hatte dem Ausschuss angehört, der die Reform seines getöteten Bruders umgesetzt hatte.

Da Gaius ein geschickter Rhetoriker war, fand er in allen Bevölkerungsschichten Anhänger. Direkt nach seiner ersten Amtsperiode wurde er überzeugt wieder gewählt. Gaius Gracchus untermauerte die Agrarreform seines Bruders, indem er römische Kolonien nahe wichtiger Städte wie Tarent oder Karthago vorsah. Solche Kolonien jenseits des Mittelmeeres zu errichten, entsprach jedoch nicht dem Ansinnen der Römer, die vorwiegend gegen diese Pläne waren. Zudem legte Gaius dann noch recht umstrittene Gesetze für die Durchführung von Gerichtsverfahren vor. Geschworene sollten nicht länger Senatoren sein, sondern aus einer Riege von equites (Rittern) bestehen. Diese hatten im Laufe der Zeit an politischer Bedeutung gewonnen. Ihre Funktion in der Gesellschaft hatte sich von der Reiterei allein weg bewegt und sie bildeten zwei Klassen: Die einen waren wohlhabende Großgrundbesitzer, die anderen verdienten ihr Geld mit Finanzgeschäften. Viele von ihnen nahmen Steuern ein. Die so genannten publicani (Steuereinnehmer) hatten auch das Recht, möglichst hohe Gewinne für sich selbst einzustreichen und vergaben auch die Bauaufträge in der Stadt und waren für die Versorgung des Heeres verantwortlich. Sie gelangten in der Regel zu beachtlichem Reichtum, denn mit dem erwirtschafteten Geld kauften sie neue Steuerpachtverträge.

Niedergang Gracchus

Wenn die Steuereinnehmer jedoch ihren Gewinn nicht so recht mit den Senatoren teilen wollten, kamen sie mit ihnen in Konflikt. Mit der Reform von Gaius Gracchus entstand ein neuer Ritterstand, dessen Interessen nicht mit denen der Senatoren überein stimmten. Das führte dazu, dass die führenden Kräfte in Rom sich entzweiten. Schließlich rührte Gaius Gracchus auch noch an einem Fall, der die Senatoren noch mehr erzürnte. Die latinischen und mit Rom verbündeten italischen Stämme hatten nach dem Zweiten Punischen Krieg das römische Bürgerrecht gewährt bekommen. Doch der Senat hatte auf das Wahlrecht dieser Männer keinen Einfluss. Gaius schlug also in seinem zweiten Tribunat (122 v. Chr.) vor, allen Latinern das römische Bürgerrecht zu gewähren, während die anderen Gemeinwesen in Italien die latinischen Rechte erhalten sollten. Doch seine Bemühungen wurden von einem konservativen Anwärter auf das Tribunat unterlaufen und als Gaius Gracchus zur Überwachung des Aufbaus einer neuen Kolonie nach Karthago reiste, wurden Gerüchte um ihn geschürt.

Das Ende des Gaius Gracchus

Als Gaius Gracchus sich nach seiner Rückkehr erneut zum Volkstribun wählen lassen wollte, verlor er die Wahl. Seine politischen Gegner stellten ihm fortan Steine in den Weg, wo sie nur konnten und als ein Diener des Konsuls Opimius bei einer tätlichen Auseinandersetzung getötet wurde, ließ dieser den Senat den öffentlichen Notstand ausrufen. Opimius setzte sich an die Spitze einer Gruppe von Senatoren und Rittern und stürzte sich mit ihnen auf Gaius, der im Zuge getötet wurde. In der Folge kam es zu einem großen Schauprozess, bei dem rund 3.000 Anhänger von Graius Gracchus ebenfalls getötet wurden. Der Senatserlass, senatus consultum ultimum, kennzeichnete die folgenden, sehr unruhigen Jahrzehnte in Italien.

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