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Römer Lexikon

Antike Graffiti: Eine Kritzel-Plage in Rom!

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Ganz wie dieses Graffiti in Århus, Dänemark, dürften die antiken Graffiti nicht ausgesehen haben.
© Villy Fink Isaksen, Wikimedia Commons, License CC-BY-SA-3.0

Die Graffiti-Plage der Römer

Das Graffiti ist wahrhaftig keine Erfindung der heutigen Zeit! Schon im alten Rom wurde überall auf Wänden, Pflastern, Säulen und Grabmälern mehr oder weniger spontan herum gekritzelt. Der antike Graffiti war mit einem Griffel aus Eisen oder Bronze, aber auch Eisennägeln, Holzspänen, Kreide, Kohle oder anders improvisiertem „Schreibgerät“ produziert. Die Schrift von antiken Graffiti war meist eine nicht leicht zu lesende Kursivschrift.

Auf Rechtschreibung und grammatikalische Richtigkeit legten die Schreiber der antike Graffiti keinen Wert. Anspruchsvollere Schreiber formulierten allerdings ihre Anliegen in metrischer Form. Reime und Karikaturen waren ebenso beliebt wie heute. Die Verfasser von Graffiti stammten aus allen sozialen Schichten. Sogar von Kindern sind Inschriften überliefert, die sich aus ihrer niedrigen Höhe erklären.

Antike Graffiti: Handschrift gelangweilter Nachtschwärmer

Die Palette und Anlässe für Graffiti waren so breit gefächert wie heute. Meist entsprangen sie einer Laune, einem Gefühlsausbruch oder schlichter Langeweile – viele Graffito trugen die Handschrift angetrunkener Nachtschwärmer. Politischer Unmut etwa war Anlass für die „Schmierereien“, „Verkaufsförderung“ mittelmäßiger Dichtung ein Anliegen oder die Verewigung touristischen Besuchs. Es herrschte eine wahre Graffiti-Plage.

Manche Hausbewohner versuchten sich durch Verbotsschilder vor der Plage zu schützen. So gibt es etwa zu lesen: „Wer diese Wand beschmiert, ziehe sich den Zorn der Venus von Pompeji zu!“ (CIL IV 538; gegen Grabschändung durch G. vgl. CIL V 1490). Große Erfolge verzeichneten diese Warnungen allerdings nicht – wie die aufgrund besonderer Konservierungsumstände zu Tausenden in den Vesuv-Städten gefundenen Graffiti zeigen.

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Antike Graffiti: Zeitzeugen – nicht ohne Humor!

Für das Alltagsleben in Pompeji  und Herculanum stellten die Graffito allerdings eine hervorragende Quelle dar. Graffito wurden aber auch in Rom und den anderen Provinzen zahlreich gefunden. Das berühmteste, in Pompeji gleich dreimal überlieferte Graffito, thematisiert die damalige Graffiti-„Wut“ der Römer: „Admiror, o paries, te non cecidesse ruinis, / qui tot scriptorum taedia sustineas.“ (Übersetzt: Ich wundere mich, Wand, dass du noch nicht in Trümmer zusammengestürzt bist, /  musst du doch das blöde Zeug so vieler Schreiber (er)tragen!)

QQ: CIL Band IV (Pompejan. Wandinschriften); H. Geist, Pompejanische Wandinschriften, München 1960.