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Römer Lexikon

Keine Sperrstunde und Sex als Göttergeschenk!

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Nach dem Untergang der Sonne gab es bei den Römern keine Sperrstunde. By A. Madhani via wikimedia commons.

Sperrstunde – keine Vorschriften für Römer!

Ausgiebige Wirtshausbesuche fielen für die meisten in die Abend- und Nachtstunden. Für kurze „Stippvisiten“, um sich rasch mit einem Happen und Wein zu stärken, waren die Lokale aber auch tagsüber geöffnet. Vermutlich hat es nachts keinerlei Restriktionen gegeben, jedenfalls gibt es dazu keine Quellen. Vermutlich gab es auch keine nächtliche Sperrstunde.

In den ersten, kriegerischen Jahrhunderten nach der Reichsgründung waren auch im alten Rom die Sitten streng: Kinder wurden von ihren Eltern verheiratet, ein Mann durfte seine untreue Frau und ihren Liebhaber töten. Doch im zweiten Jahrhundert vor Christus eroberte Rom das griechische Reich, die Sitten lockerten sich. Homosexualität und Knabenliebe kamen in Mode, genau wie die Liebesheirat. Scheidungen wurden erleichtert. Auch Frauen durften verführen, „erlangten eine solche Autonomie und Freiheit, wie sie erst wieder ab den siebziger Jahren herrschte“, schreibt der italienische Autor Alberto Angela.

Sex: Geschenk der Götter

Sex galt als Geschenk der Götter, eine Gabe von Venus, der Schirmherrin der Liebe, des Verlangens, der Schönheit. Es war wichtig und richtig, viel Sex zu haben, und lustvoll musste er sein, weil man nur so gesunde und kräftige Kinder zeugen könne. Außereheliche Ausschweifungen waren Gang und Gäbe, aber nur mit Sklaven, Freigelassenen, Ausländern. Sich daheim mit einer Prostituierten vergnügen, während nebenan die Gattin stickt? Kein Problem. Ein Tête-à-Tête mit der noblen Nachbarin? Niemals! Schließlich hätten dabei erbberechtigte Nachkommen gezeugt werden können.

Keine Sperrstunde für trinkende Römer

Dennoch verbot der zwischen 371 und 371 amtierende Stadtpräfekt Roms Ampelius per Verfügung, tabernae vor der vierten Stunde, also gegen 10 Uhr morgens zu öffnen. Der Besuch von Tavernen während der späten Abendstunden ist indes gut bezeugt. Im 4. Jhd. übernachteten Obdachlose sogar in Kneipen. Die Geselligkeit war es, die den einfachen Leuten in den Kneipen den Aufenthalt attraktiv machten. Denn ihre Behausungen waren zu klein, um Gäste und große Runden einzuladen.

Man traf sich in den Kneipen und Tavernen der Stadt. Man berichtete einander Neuigkeiten – die Kneipe war schon damals eine noch effektivere Klatschbörse als der Friseur – und zechte miteinander. Der Wein war billig, was sicherlich auch daran lag, dass die Wirte zu dieser Zeit den Wein stets mit Wasser verdünnten. Je später die Stunde, desto weniger wurde dieser Schankbetrug dann bemerkt. Ein spätes antikes Wörterbuch definiert den caupo (Gastwirt) schlicht als „jemanden, der Wein mit Wasser mischt.“ Gasthaus-Graffiti zeigen von dieser gängigen Praxis: „Wenn dich doch deine Betrügereien zu Fall brächten, Wirt: Du verkaufst Wasser und trinkst Wein!“

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