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Frauen - femina Römer Lexikon

Römische Göttin | Carmenta verhexte die Männer

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Enchanter, verzaubern oder bezaubern vom lateinischen incantare, was ursprünglich hineinsingen bedeutete: Der Zauber der Musik!
By Benedikt Rauscher via wikimedia commons.

Der Zauber der römischen Göttin Carmenta

Ein „carmen“ im Sinne einer Beschwörung spiegelt den uralten Glauben der Männer wider, dass die Frauen Gewalt über die Körper und Seelen der Männer haben, weil sie gesungene oder gesprochene Zauberformeln beherrschen, mit denen die Hilfe der römischen Göttin Carmenta angerufen wird.

Dieser Glaube entbehrt nicht unbedingt einer Logik, denn schließlich gilt die römische Göttin Carmenta als Göttin der Natur und diese verursacht Zeichen sexueller Anziehung, deren Kräfte sich Männer oft hilflos gegenüber sehen. Zauberei sozusagen: der Charme der Frau, die Bezauberung, mit der sie den Mann „verhext“.

Römische Göttin Carmenta überliefert …

Das britische Parlament beschloss aufgrund der Zauberei der Frauen gegenüber dem männlichen Geschlecht im Jahr 1770 ein seltsames Gesetz, das auf die archetypische Angst vor der Macht der römischen Göttin Carmenta zurück gehen könnte. Es verbot Frauen, Männer in die Ehe zu „locken“ durch künstliche Hilfsmittel wie etwa falsches Haar, eiserne Korsettstangen, hochhackige Schuhe oder Parfum.

Wenn ein Ehemann nachweisen konnte, dass seine Frau derartige „Tricks“ angewandt hatte, wurde vor dem britischen Gesetz die Ehe für nichtig erklärt und die Frau musste Strafen des Gesetzes wegen Hexerei ertragen. In einer Pressemitteilung vom Katholikentag anno 1968 steht zu lesen: „Alle Frauen sind gefährlich.“ – Sicherlich eine Meinung, die manchem Mann auch heute ein respektvolles Lächeln abgewinnt?

Römische Göttin Carmenta singt zum Schutz der Frauen

Der Gesang der Frauen galt ebenso eine Zeit lang als im hohen Maße verdächtig. Das war die klassische Methode, einen Zauber zu sprechen. So kam das französische enchanter, verzaubern oder bezaubern vom lateinischen incantare, was ursprünglich hineinsingen bedeutete, später aber auch durch Zaubersprüche weihen. Und zaubern, das durften natürlich nur Männer; vor allem in patriarchalen monotheistischen Religionen.

Frauen waren da eine gefährliche Konkurrenz. Und so wundert es nicht, dass der Heilige Bonifatius (675-754) befand: „Frauen dürfen in der Kirche nicht singen.“ Auch die rituellen Verbote des Corpus Iuris Canonici (1234 – 1916) untersagen den Frauen strikt den Gesang in der Kirche – und sie durften natürlich sowieso nicht Priesterinnen werden – schon deshalb. Denn ein Priester muss im Gottesdienst singen.

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Römische Göttin Carmenta und die Magie

Noch zum Beginn des 18. Jahrhunderts wurde betont: „Keine Weibsperson darf bei hoher Strafe Musik aus Vorsatz lernen, um sich als Sängerin gebrauchen zu lassen.” Doch die römische Göttin Carmenta beschützt nicht nur Schwangere, sondern auch solche, die mit einer Idee oder einem Projekt schwanger gehen. Sie hilft Frauen zu orakeln, zu zaubern und Magie zu wirken, ihre Stimme zu erheben und die richtigen und notwendigen Töne zu finden. Es wird allerdings orakelt, dass die Zauber am wirkungsvollsten sind, wenn sie gesungen oder in Versen und Reimen daher kommen!