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Frauen - femina Römer Lexikon

Heirat – Scheidung – Verstoßung in der Antike

Schilfrohr
Dünn und biegsam wie ein Schilfrohr sollten römische Mädchen sein! Via wikicommons by AnRo0002 (creative commons).

Heirat – Scheidung – Verstoßung

In Rom war das Geld entscheidend für die Eheschließung. Ein Mädchen ohne Geld ließen die Männer einfach sitzen. Es sei denn, sie überzeugte durch ihre Schönheit! Dann konnte es geschehen, dass sich ein Mann auch einer mittellosen Magd annahm. „Da habe ich eine erwachsene Tochter am Hals, ohne Mitgift, und ich kann sie nicht an den Mann bringen“, hörte man im antiken Rom so manchen Vater lamentieren. Auch die Mütter waren bemüht, aus ihren Töchtern eine heiratsfähige Frau zu „formen“. Waren die Mädchen zu dick, ließen sie sie einfach eine Weile hungern, bis sie schlank waren wie „ein Schilfrohr“. Terenz berichtet: „Seht nur die Mütter, wie sie ihren Töchtern schmale Schultern machen möchten und sie schnüren, um sie schlanker erscheinen zu lassen! Wenn eine zur Fülle neigt, sagt die Mutter: Sie ist kräftig; und sie lässt sie hungern, bis sie, entgegen ihrem Temperament, dünn und biegsam wie ein Schilfrohr.“

Heirat: Suche nach dem passenden Freier

Römische-Münzen
Auch Geld spielte eine Rolle – antike Münzen aus dem Römershop!

Stellte sich kein Mann für die Tochter ein, geriet in der Regel die Familie in große Panik. Freunde des Hauses und zudem alle Bekannten wurden dann auf die Suche nach dem geeigneten Freier geschickt. Mit zwölf Jahren schon waren die Mädchen im alten Rom heiratsfähig. Das war das Gesetz. Ein Verwandter oder Fremder sollte der Bräutigam allerdings nicht sein. Dies waren zwei kategorische und unausweichliche Regeln – dennoch hielten sie jedoch Kaiser Claudius nicht davon ab, seine Nicht Agrippina zu ehelichen. Bei Fremden mussten diese erst das römische Bürgerrecht erlangen, um eine Römerin heiraten zu dürfen.

Das einfache Versprechen des Vaters lautete: „Ich gebe dir meine Tochter, möge es dir, mir und ihr zum Glück ausschlagen.“ Damit dieses Versprechen jedoch rechtskräftig wurde, musste es schon in der antiken Zeit mit einer Verlobung besiegelt werden. Die formelle Verlobung fand in der Regel recht bald hernach statt. Für die Gültigkeit der Ehe war sie absolute Voraussetzung. Ein Brief oder eine Vollmacht konnten auch diese formelle Verlobung besiegeln, weilte der Zukünftige nicht in der Stadt.

Schilfrohr

Quelle: Paul Werner, „Leben und Liebe im alten Rom“, Bertelsmann, 1977.