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Römer Lexikon

Römischer Kuchen: Römer waren Naschkatzen!

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Römischer Kuchen im Selbstversuch! Foto by Jan Theofel www.theofel.de

Römischer Kuchen: Selbstversuch!

Die Mehrzahl der Römer hatte durchaus ein Faible für süße Kuchen, für Gebäck und andere Naschereien (dulcia). Die übliche lateinische Bezeichnung für Kuchen sind placenta und libum.

Sie werden ohne erkennbaren Unterschied benutzt. Man konnte sie in der Bäckerei kaufen, aber die meisten stellten sie selbst her. Zutaten waren Milch, Eier und Honig, Gewürze wie Anis, Kümmel, Mohn, auch Rosinen, Mandeln und Käse wurden in den Kuchen eingebacken. Die Römer kannten unterschiedliche Füllungen und Güsse, mannigfache Formen wie Kränze, Brezeln, Ringe und Pyramiden, feste und weiche, kalt und warm servierte Kuchen. Benannte waren die Backwerke häufig nach ihrem „Schöpfer“. Nach dem im 1. Jhd. lebenden Feinschmecker Apicius, dessen Sammlung von Kochrezepten überliefert ist, waren gleich mehrere Kuchen-Kreationen benannt: das „Apicius-Gebäck“. Aber auch der Alte Cato war, so lassen seine überlieferten Rezepte schließen, ein passionierter Kuchen-Esser.

Römischer Kuchen: Rezept Riesen-Schichtkuchen à la Cato

Eine Placenta mache so: Sehr feines Weizenmehl 2 Pfund (0,65 kg), um daraus den Boden zu machen; für die Fladen 4 Pfund Mehl (1,3 kg) und 2 Pfund beste Speltgraupen. Die Speltgraupen schütte in Wasser. Wenn sie gut weich sind, schütte sie in einen reinen Mörser und lasse sie gut trocknen; hierauf knete sie mit den Händen. Wenn das gut durchgearbeitet ist, gib nach und nach die 4 Pfund Mehl dazu. Aus diesen zwei Bestandteilen mach Falden; (…) wenn sie trocken sind, setze sie reinlich übereinander (…)

Apicius

Wenn die Falden fertig sind, mache den Herd gut heiß und auch die Schüssel. Hernach befeuchte die 2 Pfund Mehl und knete sie; daraus mache einen dünnen Boden. Gib 14 Pfund Schafskäse (4,56 kg), aber keinen sauren, sondern einen recht frischen, in Wasser (…) Wenn du den Käse gut getrocknet hast, zerbröckle ihn möglichst gut.

Dann nimm ein reines Mehlsieb und mache, dass der Käse durch das Sieb durchgeht in die Schüssel. Hernach gib 4 ½ Pfund guten Honig (1,5 kg) hinzu; das mische gut zusammen mit dem Käse. Hernach lege auf ein sauberes Brett, das 1 Fuß (30 cm) breit ist, einen Kuchenrand; lege geölte Lorbeerblätter unter und forme die Placenta. (…) Wenn sie gebacken ist, nimm sie heraus und bestreiche sie mit Honig. Das wird eine Placenta von einem halben Scheffel (ca. 4,5 kg) sein.

Römischer Kuchen: Ein wahrhaft süßer Tod!

Im strengen Sinn gehörte das libum eher zum kultischen Bereich. Es war ein „Opferkuchen“ – oft dem persönlichen Schutzgott am Geburtstag dargebracht – gewissermaßen ein Vorläufer unserer Geburtstagstorte. Es mundete den Römern aber auch als Nachtisch, der manchmal als „künstlerisch wertvolle Skulptur“ gereicht wurde. Plinius führt in seiner Liste angenehmer Todesarten gar auf: den ehemaligen Konsul A. Manlius Torquatus, der just in dem Moment das Zeitliche segnete, „als er bei der Tafel nach dem Kuchen griff“. Ein wahrhaft süßer Tod.

QQ: Cato r. r. 74 ff.; Hot. Epist. 1 10, 10 f.; Ov. fast. III 727 ff.; Plin. NH XVIII 106 ff.; Athen. I 7 a; XIV 643 e ff.