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Venus und Adonis schöne antike Welt

Schön wie Venus und Adonis, die antike Welt

Venus-und-AdonisFamilientag – Ausflug in die Römerzeit: im Wella Museum werden Kinder und Erwachsene in Tuniken gehüllt

Aus Maxi wird gerade eine Livia: vor einem Toilettentisch mit allerlei Utensilien kämmt Manuela Priess mit Hingabe das schöne, lange, blonde Haar der sechsjährigen. „Livia war die erste römische Kaiserin, die Frau von Kaiser Augustus“, erklärte die Friseurmeisterin aus Glauberg, die in einer beigefarbenen so genannten Calassis steckt.

Maxima Sterz ist ein Heppenheimer Mädchen und freut sich an diesem Sonntagmorgen mit ihrer Zwillingsschwester Mareike sowie ihren Eltern im Wella Museum, wo sie lauter interessante Dinge erfährt und auch erlebt. Der Familientag zu dem viele Mädchen und Buben gekommen sind, trägt den verheißungsvollen Titel:“ Schön wie Venus und Adonis – Frisuren und Schmuck in römischer Zeit.“

Die meist gestellte Frage lautet:“ Was ist denn das?“ Denn welches Kind weiß schon, dass mit einem Frigidarium im alten Rom das Kaltwasserbecken in den Thermen gemeint ist.

Still wird es meist, wenn Hand angelegt wird: dann staunen große und kleine Besucher oder es werden gar Erinnerungen wach. Michael Sterz der Vater der Zwillinge schaut zu Maxi im Frisierstuhl und sagt:“ Als Jugendlicher hatte ich auch mal so lange Haare.“ Doch die Frisur missfiel seinem Vater, der ihm eines Nachts einfach die Haare abschnitt “seitdem trage ich kurz.“

Das müssen die Kinder im Wella Museum freilich nicht befürchten, deshalb sieht man rund um nur in fröhliche Gesichter. Auch die Erwachsenen haben sichtlich Spaß: Zur Tunika und zum schönen Kettenschmuck will Maria Courtial nun noch den klassischen Flechtenkranz tragen. Ihr fünfjähriger Sohn passt mit seinem hier Namen „Julius C.“ einhundertprozentig zu dieser besonders lebendigen Entdeckungsreise in eine längst vergangene Zeit.

Ohrreiniger aus Bronze

Hier und da bleiben die Kinder begeistert an den Stationen stehen, um sich ein Bild von der römischen Lebensweise zu machen: Sie schauen sich entweder handgefertigte Perücken, Ohrreiniger aus Bronze oder versteinerte Seifenstücke sowie bildschöne Amphoren an.

Lächeln müssen Sie, als Anna Rosa Reuss sagt: “Mit Lomentum, einem Gemisch aus Wasser oder Öl und Bohnenmehl, haben ältere Frauen ihre Gesichtsfalten zu gespachtelt.“ Dann stellt die Mitarbeiterin des Museums der Saalburg, die Sigrid Schwarz und Werner Seyfarth vom Wella Museum mit weiteren Kollegen tatkräftig unterstützt, Gefäße für kostbare oder weniger kostbare Ingredienzen sowie Puder eines smaragdgrünen und azurblauen Materials vor“ Damit wurde Liedschatten oder mit Russ auch Kajal hergestellt.“

“ Weil die Kaiserin Vorzeigeobjekt war“, wie Andreas Hopson vom Forum Traiani erzählt, wollten ihr alle Frauen gleichen, ihr Haar so tragen wie Sie:“ mit einem Nodusknoten, der in einen geflochtenen Zopf kunstvoll über den Kopf geführt wird und in einem Nackenknoten endet.“ Wie heute, wechselten auch um das Jahr null die Haarmoden:“ Mal war der Trend den Knoten ganz weit unten, mal wurde er weit oben am Kopf getragen“, so Friseurmeisterin Priess. Die findigen Römer setzen damit immer wieder neue Akzente, was sich besonders auf alten Münzen, Mosaiken, Wandgemälden oder Büsten nachvollziehen ließe.

Nicht nur Maxi und Mareike gehen mit ihrem grazilen Auftritt als echte Römerin durch. Fast sämtliche Besucher sind in Tuniken gehüllt, tragen auffälligem Kopfschmuck und auf Ihrer Brust prangt eine selbst gebastelter Kette aus Silberdraht, farbigen Steinen und Lederband. Die elfjährige Lea von Heesen bringt es auf den Punkt:“ ich fühle mich sehr römisch“, betont sie nicht ohne Stolz,“ denn ich bin richtig ausgestattet mit einem Gewand und einer schönen Kette.“

Erschienen im Darmstädter Echo 17.März 2009

“Venus und Adonis schöne antike Welt”