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Häuser - Villa Römer Lexikon

Sonderform der römischen Villa | villa maritima

Villa Roman Villa in the Bay of Verige Brijuni Islands Croatia Raddato
Villa maritima Croatien – by Carole Raddato

Sichtachse in der römischen villa urbana

Der römische Architekt Vitruv empfahl die umgekehrte Abfolge hinsichtlich Peristyl und Atrium im Vergleich zum Stadthaus.

In der von ihm beschriebenen Vorstadtvilla sollte man zuerst vom Haupteingang aus das Peristyl betreten und daran anschließend erst das Atrium im hinteren Bereich des Villengebäudes.

Bekanntes Beispiel für diese Bauweise ist die Mysterienvilla bei Pompeji. In einem axialsymmetrischen Grundriss liegen Haupteingang, Peristyl und Atrium auf der Mittelachse hintereinander. Sie bieten so eine durchgehende Sichtachse durch die repräsentativen Haupträume der Villa.

Sonderform der römischen villa urbana: Die villa maritima

Villa maritima Roman Villa in the Bay of Verige Brijuni Islands Croatia RaddatoEine Sonderform der villa urbana ist die villa maritima (Plural villae maritimae). Damit wird eine Meervilla, also eine an einer Küste erbaute Villa bezeichnet.

Für den Sommer war es für den längeren Aufenthalt bei den Römern sehr beliebt, ihre Villa in der Nähe eines kühlenden Baches oder direkt am Meer zu errichten. Bereits in der römischen Antike gab es zahlreiche solcher Villen. Zahlreich reihten sie sich an der Küste des Tyrrhenischen Meeres. Besonders beliebt für die römische villa urbana war auch das Gebiet am Golf von Neapel.

Zu den bekanntesten Vertretern dieses Typus der römischen villa urbana in Meeresnähe zählen die Pisonenvilla von Herculaneum, die Villa des Catull von Sirmione (auch Grotta di Catullo genannt), die Villa des Tiberius in Stabiae oder die Meervilla von Asturia.

Die villa maritima am Meer: Pisonenvilla von Herculaneum

Die Pisonenvilla von Herculaneum wurde 1750 von dem Schweizer Archäologen Karl Weber entdeckt und liegt etwa 250 Meter nordwestlich der antiken Stadt. Die Villa hatte auf der Meerseite vier terrassenförmig angelegte Stockwerke. In der Villa wurden zahlreiche Kunstwerke aus Bronze gefunden, die heute im Archäologischen Nationalmuseum in Neapel aufbewahrt sind.

Über die Besitzer der Villa gibt es nur Vermutungen. Wahrscheinlich wurde die Villa im 1. Jhd. v. Chr. – also zur beginnenden Blütezeit der römischen Villa urbana – von Lucius Calpurnius Piso erbaut. Er ist als Schwiegervater von Gaius Iulius Caesar bekannt (als Erbauer kommt jedoch auch Appius Claudius Pulcher, Konsul 38 v. Chr., in Frage). Die 253 mal 32 Meter große Villa lag einst direkt am Meer. Der Gebäudekomplex war – für die römische villa urbana typisch – auf verschiedene Terrassen verteilt, die sich vor allem auf das Meer und auf den Ausblick dorthin ausrichteten.

Vermutlich lag der Eingang an der dem Meer entgegengesetzten Seite. Hier befindet sich ein Atrium, das in ein kleines Peristyl führt. Links davon befinden sich ein Tablinum (eine Art Wohnzimmer) sowie weitere Wohnräume. Rechts davon gibt es eine Bibliothek. Von dem Tablinum gelangt man in ein weiteres Peristyl, das etwa 100 Meter lang und 37 Meter breit ist. Es ist von 25 mal 100 Säulen geschmückt. Ein 66 Meter langes Wasserbecken ziert seine Mitte. Die Überreste der Villa sind nicht mehr begehbar. Ein Nachbau der Villa wurde im kalifornischen Malibu für das J. Paul Getty Museum errichtet; die sogenannte Getty Villa.

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