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Römer Lexikon

Römisches Würfelspiel: Wo Knochen rollten!

Knochenwürfel
Diese römischen Knochenwürfel mit Kreisaugen gibt es im Römershop des Frum Traiani zu erstehen.

Römisches Würfelspiel

Das römische Würfelspiel (alea) war die Passion der Römer. Infiziert waren alle Schichten der Gesellschaft, vom Sklaven bis zum Kaiser.

Gewürfelt wurde überall: auf Gastmählern und in Thermen, in Kneipen und sogar – gewissermaßen als Vorspiel – beim erotischen Abenteuer. Selbst wenn man es nicht als in der Regel verbotenes Glücksspiel mit hohen Einsätzen betrieb – was nur an den Saturnalien erlaubt war – ging es beim Würfelspiel stets laut und leidenschaftlich zu. Während des Wurfes rief man einen Gott oder seine Geliebte als Glücksbringer an und waren die Würfel dann gefallen, reagierte man mit Freudenrufen oder lauter Enttäuschung.

Gespielt wurde gewöhnlich mit mehreren Würfeln aus Ton, Knochen, Elfenbein oder Metall (tesserae), die den heutigen Würfeln glichen. Die Zahlen eins bis sechs waren mit recht großen Kreisen markiert. In vielen Antikenmuseen sind erhaltene Exemplare zu sehen. Auch Würfelbecher (fritillus) hatten die Römer bereits – wohl um Betrügereien und Manipulationen vorzubeugen. Die genauen Spielregeln sind nicht überliefert. Es scheint aber, dass die Punktzahlen der Würfel zusammen gerechnet wurden und die Höchste den Sieg brachte.

Würfel Römer
Der Astragal wird heute noch in arabischen Ländern und auch in anderen Kulturen geworfen. Auch diese Würfel gibt es im Römershop.

Römisches Würfelspiel: Da fallen die Knochen!

Anders verhielt sich dies bei der ebenso beliebten Variante des Würfelspiels mit Knöcheln (tali). Es handelte sich dabei um echte Knöchel von Tieren (Verbindung zwischen Verse und Wade) oder aus Stein, Ton und anderen Materialien. Die tali konnten auf nur vier Seiten fallen, welche die Werte eins, zwei, drei und sechs trugen. Als bestes Ergebnis galt der Venus-Wurf (Venus; Venereus), bei dem die vier Spielwürfel unterschiedliche Werte zeigten. Das schlechteste nannte man „Hund“ (canis; wahrscheinlich viermal die eins). Schon die Kinder lernten lieber, sich über den „glücksverheißenden Sechser“ zu freuen und den „verfluchten Hund“ zu verabscheuen, als „die schwülstigen Reden des sterbenden Cato“ (Pers. III 45 ff.). und noch den Greisen blieb das Würfelspiel als letztes Vergnügen und Freizeit-Aktivität „als letzter Quell der Freude treu“. (Cic. Sen. 58).

QQ: Plaut. Curc. 354 ff.; Cic. Sen. 58; div. I 13, II 48; Mart. V 84; XIV 14 ff.; Juv. I 89 ff.; Pers. III 44 ff.; Suet. Aug. 71, 2; Claud. 32 f.; Amm. Marc. XIV 7, 25; XXVIII 4, 21; Dig. IX 5; Isid. Et. XVIII 65./295

Aleator – Würfelspieler: ein Schimpfwort?

Obwohl auch Bürgerliche, Aristokraten und Kaiser ihm verfallen waren, wurde das Glücksspiel in einem moralischen Sumpf angesiedelt. Cicero gebrauchte das Wort aleatores, zu Deutsch „Hazadeure“ als Schimpfwort. Er nannte sie in einem Zug mit Ehebrechern und allen „anderen schamlosen und verworfenen Subjekten“, mit „Trunkenbolden und Schandbuben.“

Römisches Würfelspiel: Caligula lässt Köpfe rollen!

Die Römer spielten viel und leidenschaftlich. Insbesondere dem Würfelspiel frönten auch die oberen Schichten und nicht wenige Kaiser galten gar als spielsüchtig. So trug sich folgendes zu: Einst spielte Caligula Würfel. Als er merkte, dass er kein Geld hatte, ließ er sich die Steuerlisten von Gallien geben und ordnete an, dass die Reichsten aus diesem Kreise hingerichtet werden sollten. Dann kehrte er zu seinen Mitspielern zurück und sagte: „Ihr spielt hier um ein paar lumpige Denare, während ich inzwischen etwa 150 Millionen Denare eingenommen habe.“

(Dio Cassius, Römische Geschichte LIX 22,3 f.)

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