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Römer Lexikon

Römische Libertas: Freiheit als Programm

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Mosaikmedaillon mit Herrscherportrait Kaiser Augustus (1898) by Andreas Praefcke via wikimedia commons.

Liberta restituta – die Freiheit in der Kaiserzeit

Römische Libertas: Grundlage der Autorität von Kaiser Augustus waren seine Tugenden: virtus, clementia, iustitia und pietas.

Neben der Tapferkeit, der Milde und der Gerechtigkeit war pietas, die Frömmigkeit gegenüber den Göttern und Eltern, auf dem goldenen Schild verzeichnet. Allesamt Tugenden, die dem Kaiser erlaubten, den Staat nach den strapaziösen Wirren des Bürgerkriegs wieder herzustellen (res publica restituta). Augustus rühmt sich im gleichen Zuge der libertas restituta, der Wiederherstellung der politischen Freiheit.

Freiheit als römisches Programm

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Büste aus dem Römershop.

Und diese libertas kam wieder in ihrer Bedeutung als Gegenkonzept zur Gewaltherrschaft. Der historische Moment war gekommen, als das Konzept der Alleinherrschaft des Augustus, ins Wanken geriet. Mit dem gewaltsamen Tod des letzten Herrschers der iulisch-claudischen Dynastie, dem Tod Neros, kam die Nachfolgefrage erstmals in bedrohlicher Form, denn es fehlte ein designierter Nachfolger. Die Mitglieder der römischen Oberschicht begannen also um die Macht zu kämpfen.

Dieser Vorgang wiederholte sich nicht nur während der römischen Kaiserzeit, sondern führte im dritten Jahrhundert nach Christus fast zur Auflösung des Principats. Einer der erfolglosen Anwärter um die Macht, der römische Galba, wählte eine Form des Buhlens um das Volk: Er ließ Münzen mit der Darstellung der libertas publica prägen, die in der rechten Hand den pileus hält, in der linken ein Zepter. Galba setzte auf diese Weise der Gewaltherrschaft des Kaisers Nero programmatisch die Freiheit entgegen.

Römische Libertas emanzipiert sich

Die Befreiung von Gewaltherrschaft ist im Verlauf der Kaiserzeit allerdings nicht die einzige Facette für römische libertas. Sie wird immer stärker mit dem Aspekt der Sicherheit, der securitas, verbunden. Im Vergleich zur späten Republik erlangt die libertas jedoch in der römischen Kaiserzeit nicht mehr die gleiche Bedeutung in der politischen Propaganda. Dies hing zu guter Letzt damit zusammen, dass die politische Selbstdarstellung der Kaiser ab einem gewissen Zeitpunkt individuelle Tugenden der Herrscher in den Mittelpunkt stellte. Dies waren etwa solche Tugenden, wie bereits Kaiser Augustus sie auf seinem „Tugendschild“ für sich proklamierte.

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