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Römer Lexikon

Weiblicher italischer Mond: Ehre der Göttin Luna

Mond
Himmelsscheibe von Nebra; Mittelberg um 1600 v. Chr.; Sonderausstellung “Jenseits des Horizonts”/Pergamon Museum (2012). By Anagoria (Gnu Free via wikimedai commons).

Dem Mond gewidmete, römische Göttin Luna

Die römische Göttin Luna war die italische Mondgöttin. Ihre griechische Entsprechung war die Göttin Selene mit der Bedeutung „Leuchtende, Strahlende“.

Eine weibliche Mondgöttin war für die frühe Antike eine große Besonderheit! Denn in den östlichen Religionen mit dominanten Gestirnkulten war der Mond ausschließlich männlich. Den Griechen galt der Göttin Selene als Eltern Hyperion und Theia sowie Helios und Eos als Geschwister. Homer richtete sogar an Selene und Helios einen eigenen Hymnus. Auf süditalischen Bronzemünzen des 3. Jhd. v. Chr. erschien die Mondgöttin als Reversmotiv als Halbmond mit zwei Sternen.

Ende des 2. Jhd. v. Chr. wurde sie als Lenkerin eines silbernen Zweigespanns für Ochs oder Pferd, einer so genannten biga, dargestellt. Als Personifikation war die antike Mondgöttin eine junge Frau mit Strahlenkrone und Schleier. Ihre Attribute waren eine Fackel, die Mondsichel und hin und wieder auch ein Horn. Als männlichen Lunus bezeichneten die Römer übrigens den Mondgott in Phrygien – dargestellt mit einer Mondsichel hinter den Schultern. Dieser steht mit Luna allerdings in keinem Zusammenhang.

Zu Ehren der Göttin Luna

Der Altar des Kultes für die römische Mondgöttin Luna ist nicht bekannt, da in römischer Zeit die Verehrung von Gestirnen als nicht römisch und auch nicht italisch angesehen wurde. Schon in der Antike vermutete man deshalb einen griechischen Ursprung der römischen Mondgöttin. Ein Altar, ein so genanter ara, für Sol und Luna soll aber schon zu Zeiten des Sabinerkönigs Titus Tatius gestiftet worden sein. Jedoch gibt es selbst in Griechenland kaum Zeugnisse für einen Selene-Kult. In Rom wurde von König Servius Tullius, dem sechsten König Roms, im 6. Jhd. v. Chr. ein Lunatempel am Aventinhügel erbaut. Konsul Lucius Mummius ließ diesen Tempel zu Ehren der Mondgöttin nach der Zerstörung Korinths mit Weihegeschenken aus der Stadt ausstatten. Beim großen Brand von Rom unter Kaiser Nero brannte das Heiligtum nieder. Vermutlich wurde es danach auch nicht wieder aufgebaut, jedenfalls gibt es dafür keine Zeugnisse.

Tempel für die Göttin des Mondes Luna

Weitere Tempel zu Ehren der römischen Göttin Luna waren ein Gemeinschaftsheiligtum mit dem Sonnengott Sol im 11. Bezirk der Stadt Rom (regio XI) sowie eine nachts stets beleuchtete Anlage am Palatin zu Ehren der Luna Noctiluca, der „nachts leuchtenden Luna. Das Luna-Fest fand am 31. März statt, was gegebenenfalls in Bezug stand zum Weihedatum des Aventintempels. Zudem wurde die römische Mondgöttin Luna beim Fest Mundus patet – ein Fest zu Ehren der Toten unter dem Motto „die Erde steht offen“ – am 24. und 29. August geehrt.

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