Gladiatoren | Alle Typen

Lyon-Glas-Gladiatoren-Kampf

Glas mit Gladiatoren Kampf
picture by Carole Raddato

Gladiatoren Vielfalt – die Gattungen

Gladiatoren wurden nach ihren Waffen und Kampfstile in verschiedene Gattungen unterteilt. Es gab immerhin fast 30 unterschiedliche Gladiatoren – und 42 verschiedene römische Kaiser sahen die Blutbäder im Kolosseum. Die relative Seltenheit der aufwändigen und kostspieligen Gladiatorenkämpfe blieb über die Jahrhunderte weitgehend konstant. Noch im Jahr 354 n. Chr. wurden von den 176 Festtagen 102 für Theateraufführungen, 64 für Wagenrennen und nur zehn für Gladiatorenkämpfe genutzt. Kaiser Honorius war es, der das Ende der Gladiatorenkämpfe in 399 verfügte. Der letzte bekannte Gladiatorenkampf in der Stadt Rom ereignete sich am 1. Januar 404.

In den römischen Arenen kämpften eine Reihe unterschiedlicher Gladiatorengattungen, die sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelten. Der Reiz der Kämpfe lag auch darin, unterschiedliche Gattungen gegeneinander antreten zu lassen. Die meisten Kenntnisse über die Waffen der Gladiatoren sind den Ausgrabungen in Pompeji zu verdanken, wo viele Ausrüstungsgegenstände aus einer Gladiatorenkaserne gefunden wurden. Sie sind heute im Museo Archeologico Nazionale in Neapel.

Relief-Gladiator-Netherlands

Gladiatoren Grabstein – Holland
picture by Carole Raddato

Auch Statuetten und Darstellungen von Gladiatoren auf Grabsteinen, Fresken, Reliefs, Mosaiken und Öllampen geben Hinweise.

Die ersten Gladiatoren, welche bei Totenfeierlichkeiten oder bei Begräbnissen vornehmer Römer auftraten und nach dem Scheiterhaufen (bustum) bustuarii genannt wurden, hatten eine sehr einfache Ausrüstung. Jeder trug einen Schild, ein Schwert und war durch Helm und Beinschienen geschützt. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich mehrere Gladiatorengattungen, die sich in ihrer Ausrüstung und Kampfweise erheblich voneinander unterschieden.

Die frühen Gladiatoren dürften mit ähnlichen Waffen gekämpft haben wie die von Rom besiegten Völker. Später musste ein beispielsweise als Gallier kämpfender Gladiator aber nicht mehr unbedingt auch aus Gallien kommen. Die genaue Ausrüstung dieser frühen Gattungen ist aber aufgrund der Quellenlage unklar.

Samnit

Livius berichtet in seinem Werk Ab urbe condita (9, 40), dass die mit den Römern verbündeten Campaner die bei ihren Gastmählern auftretenden Fechter mit den Waffen der besiegten Feinde, in diesem Fall der Samniten, ausstatteten. Laut Livius waren sie mit einem buschgeschmückten Helm galea cristata, einem hohen Schild und einer linken Beinschiene ausgerüstet.

Gallus

Über die Ausrüstung des unter dem Namen Gallier gallus kämpfenden Gladiators ist wenig bekannt.

Die Gattungen der Kaiserzeit

Augustus reformierte das Gladiatorenwesen, und so tauchen Gattungen wie Samnit und Gallier in der Kaiserzeit nicht mehr auf. Er übernahm jedoch schon ältere Gattungen, wie den Provocator, Thraex und Murmillo.

Eques

Die equites eröffneten mit ihrem Kampf die Gladiatorenspiele. Sie waren mit einem Krempenhelm mit Visier, einem flachen Rundschild, einer Lanze und einem Kurzschwert gladius bewaffnet. Im Unterschied zu allen anderen Gladiatorengattungen, welche nur mit einem Lendenschurz (subligaculum) bekleidet waren, trugen sie Tuniken. Sie begannen den Kampf zu Pferd, stiegen dann ab und setzten ihn mit den Schwertern fort. Auf bildlichen Darstellungen sind sie zumeist in der Endphase des Kampfes dargestellt, also vom Pferd abgestiegen und zu Fuß mit Schwertern kämpfend.

Murmillo

Adesina-Sieger

Thraex (links) gegen Murmillo
picture by Carole Raddato

Der murmillo ist eine sehr alte Gladiatorengattung und schon im 1. Jhd. v. Chr. nachgewiesen. Die Bewaffnung des Murmillo mit Kurzschwert gladius und großem, gewölbten Rechteckschild scutum gleicht der der Legionsinfanterie.

Als Schutzkleidung hatte er einen Armschutz (mania) und eine bis kurz unter das Knie reichende Beinschiene am linken Bein. Er trug einen Helm mit Visier mit hohem, geraden Kamm, der zusätzlich mit bunten Federn geschmückt war und aussah wie ein Fisch (mormylos = kleiner Fisch). Er kämpfte gegen den Thraex.

Thraex

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Gladiator Thraex
picture by Andreas Hopson

Diese Art des Kämpfers hatte eine Bewaffnung, die noch auf seinen thrakischen Ursprung hinweisen sollte. Der Thraex hatte ein Schwert mit gekrümmter Klinge (sica) und einem kleinen, gewölbten Rechteckschild (parmula) und trug einen Helm mit Visier, von einem Helmkamm mit Greifenkopf gekrönt.

 

 

 

 

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Thraex mit Sica und Armschutz
by Wolfgang Sauber – Wiki Commons

Als Schutzkleidung trug er am rechten Arm einen gesteppten Armschutz (manica). An beiden Beinen trug er gesteppte Beinschützer, die weit über die Oberschenkel reichten. Darüber hatte er über das Knie reichende Beinschienen.

 

 

 

 

 

Hoplomachus

Adesina-Gladiatorenkampf

Murmillo gegen Hoplomachus (rechts)
picture by Carole Raddato

Als Alternative zur Paarung Murmillo gegen Thraex gab es die Paarung Murmillo gegen Hoplomachus. Der Hoplomachus ähnelte in Bewaffnung und Schutzkleidung dem Thraex. Statt des Rundschilds hatte er jedoch eine verkümmerte Form des griechischen Hoplitenrundschilds sowie eine Stoßlanze (hasta). Für den Nahkampf besaß er zusätzlich noch ein gladius. In Ausnahmen konnte er auch gegen den Thraex kämpfen.

 

Retiarius

Gladiators-Bad-Gögging

Retiarius aus Bad Gögging

Der Retiarius war ein ungewöhnlicher Gladiator und ist erst seit der Regierung von Kaiser Caligula (37–41 n. Chr.) belegt. Seine außergewöhnliche Bewaffnung bestand aus einemWurfnetz (rete), einem Dreizack (tridens, auch fuscina genannt) sowie einem Kurzschwert oder Dolch (pugio). Er hatte weder Schild noch Helm.

Als einzige Schutzkleidung diente ihm der Schulterschirm (galerus) und eine Armschiene (manica) am linken Arm. Zuerst versuchte er, das Netz über seinen Gegner zu werfen. Wenn es verworfen war, versuchte er, ihm mit dem Dreizack beizukommen; gelang dies nicht, hatte er für den Nahkampf noch das Schwert. Sein Gegner war überwiegend der Secutor.

Pontarius

Der Pontarius war eine Spielart des Retiarius. Er verteidigte eine kleine Brücke (pons) mit zwei rampenartigen Aufgängen. Auf jeder Seite griff ein Secutor an und versuchte auf die Plattform zu kommen. Zusätzlich zu seiner üblichen Ausrüstung, dem Schulterschirm (galerus) und der Armschiene besaß der Pontarius einen großen Vorrat an Wurfgeschossen, vermutlich Steinkugeln.

Secutor

Secutor-HelmDer Secutor (Verfolger) war ein auf den Kampf gegen den Retiarius spezialisierter Murmillo. Um dem Wurfnetz seines Gegners keinen Angriffspunkt zu bieten, trug er einen eiförmigen Helm, der nur sehr kleine Augenlöcher besaß.

 

 

 

Nennig-Mosaik-Gladiatoren

Retiarius gegen Secutor Mosaik
picture by Carole Raddato

Diese Sichteinschränkung schützte ihn auch davor, dass ihm der Retiarius die Augen ausstechen konnte. Seine Waffen waren Kurzschwert sowie ein großer Rechteckschild (scutum).

 

 

 

Scissor

Dieser seltene Gladiatorentyp konnte gegen Retiarius antreten. Er hatte genau wie der Secutor einen eiförmigen Helm mit Augenlöchern, er führte in seiner rechten Hand auch das Kurzschwert (gladius) und der rechte Arm wurde auch von einer Armschiene geschützt. Das Besondere am Scissor war, dass er keinen Schild hatte, sondern dass sein linker Arm in einer kegelstumpfförmigen Röhre steckte, die den ganzen Unterarm umgab. Am Ende dieser Röhre war ein kurzer Schaft mit einer wiegemesserförmigen Klinge angebracht. Mit dieser Waffe konnte er das Netz des Retiarius zerschneiden oder dessen Dreizack parieren. Ebenso konnte er seinen Gegner mit sichelndem Hieb nahezu aufschlitzen. Da er seinen Körper nicht durch einen Schild decken konnte, trug er ein knielanges Kettenhemd namens lorica hamata oder einen Schuppenpanzer (lorica squamata).

Provocator

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Zwei Provocatoren
picture by Andreas Hopson

Der Provocator (Herausforderer) ist seit der späten Republik bekannt und kämpfte, wie die Equites, gegen seinesgleichen. Im 1. Jhd. vor und 1. Jhd. nach Christus trug er einen Helm, der einem Legionärshelm ähnelte. Erst im 2./3. Jhd. hatte er einen Helm ohne Kamm mit schräg abfallendem Nackenschirm, dafür jedoch mit einem Visier.

Er war mit einem mittelgroßen Rechteckschild (scutum), einem halbmondförmigem Brustblech (pectorale) und einem gladius ausgerüstet. Als Schutz diente ihm auch eine Beinschiene am linken Bein und am rechten Arm eine manica.

Gladiatrix

Es gab vereinzelt auch Frauen, die in der Arena kämpften, wenn dies auch kaum verbreitet war. Ein Relief aus Halikarnassos (Türkei) zeigt ihre Ausrüstung. Sie könnten in allen Gattungen gekämpft haben, aber die beiden dargestellten Gladiatorinnen (gladiatrices) tragen die Ausrüstung von Provokatoren.

Essedarius

Der Essedarius war eine weitere Gladiatorenart, die nur gegen ihres gleichen kämpfte. Der Name leitet sich von der Bezeichnung für einen keltischen Streitwagen (essedum) her. Man nimmt an, dass die essedarii den Kampf vom Streitwagen her eröffneten und, ähnlich wie die Equites, abstiegen und zu Fuß weiter kämpften. Der Essedarius hatte eine Armschiene am Schwertarm, ein Kurzschwert, Gamaschen oder kurze Bandagen an beiden Beinen. Außerdem trug er einen Helm, der in früherer Zeit einem Legionärshelm und später dem Secutor-Helm ähnelte.

Seltene Gladiatoren

Des Weiteren gab es Gladiatorengattungen, die seltener bezeugt sind. Etwa den Dimachaerus, der mit zwei Klingen kämpfte, also Dolchen oder Schwertern wie dem Gladius. Er trug einen gepolsterten Leibschutz, Bandagen am Dolcharm und an den Beinen, zuweilen auch Beinschienen, aber keinen Helm. Sein Name setzt sich aus den griechischen Wörtern für „Zwei“ (dio) und „Messer“ (machaera) zusammen.

Der Sagittarius (Bogenschütze) ist nur auf einem Relief in Florenz dargestellt, wo zwei gepanzerte und behelmte Bogenschützen sich in einer Arena unter Beschuss nehmen. Andabates wird von Cicero erwähnt und taucht in der Kaiserzeit nicht mehr auf. Er trug eine Augenbinde und war deshalb auf sein Gehör angewiesen, da ihm lediglich Reaktionen des Publikums oder Atemgeräusche Aufschluss über den Standort seines Gegners geben konnten. Laquearius (Lassokämpfer), wird nur von Isidor von Sevilla erwähnt. Über den Paegniarius ist ebenfalls wenig bekannt.

Nennig-Mosaik-kampf

Der Gladiator Paegniarius
picture by Carole Raddato

Der Paegniarius war nicht mit tödlichen Waffen ausgerüstet. Eine Szene auf einem Mosaik von Nennig wird häufig als Darstellung dieser Gladiatorengattung gedeutet. Die Kämpfer tragen dort eine Peitsche in der rechten Hand und ein am linken Arm angeschnalltes Holzbrett. Nach einer Schilderung bei Sueton ließ Kaiser Caligula Familienväter, die ein körperliches Gebrechen hatten, als Gladiatoren zur Unterhaltung in der Arena auftreten.

Da es römische Darstellungen von kleinwüchsigen Gladiatoren aus unterschiedlichen Waffengattungen gibt, traten diese möglicherweise ebenfalls als Paegniarii mit stumpfen Waffen zur Unterhaltung auf. Wahrscheinlich traten die Paegniarii bei Vorkämpfen (prolusio) und Tierkämpfen auf.

Der Veles war wiederum eine Gattung, dessen Erwähnung sich nur bei Isidor von Sevilla, sowie auf einigen Inschriften mit der Abkürzung VEL findet. Der Name entstammt den am schlechtesten ausgerüsteten römischen Soldaten, velites (Plänkler) zur Zeit der punischen Kriege. Man nimmt an, dass ihre Kampfweise diesem Soldatentyp entsprach.

Der Crupellarius wird von Tacitus als gallischer Kämpfer erwähnt. Eine Bronzestatuette aus Frankreich könnte einen dieser vollgepanzerten Kämpfer darstellen. Der Scaeva war ein Gladiator, der als Linkshänder kämpfte. Kaiser Commodus, der sich privat – nicht in der Arena – gerne als Gladiator betätigte, focht als secutor scaeva. Standen sich zwei Linkshänder gegenüber, wurde von einem linkshändigen Kampf (pugna scaevata) gesprochen.

Der Venator kämpfte gegen wilde Tiere. Deshalb zählt er nicht zu den eigentlichen Gladiatorengattungen

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