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Römer Lexikon

Römischer Senat: Die Senatoren tagen

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Von Sonnenaufgang bis zum Untergang tagten die Senatoren.
By Andy1809 via wikimedia commons.

Römische Senatssitzung: Kein formelles Verfahren

Römischer Senat: Der Ablauf von Senatssitzungen war formell nicht festgelegt. Im Lauf der Zeit bildete sich jedoch eine Verfahrensform heraus, die bis in die Kaiserzeit beibehalten wurde. So war zum Beispiel die Einberufung des Senats nur durch Consulsn, Praetoren, Volkstribunen und später durch den Kaiser möglich.

Die Einladung zur Sitzung erfolgte unter der Angabe von Zeit und Versammlungsort, wenn es feststand, wurde auch das Thema des Treffens genannte. Häufig traten die Senatoren in der Curia Hostilia (später Curia Iulia) oder dem Templum Concordiae zusammen. Zur Kaiserzeit traf man sich auch in den Privathäusern der Consuln. Als Sitzungszeit war der Tag festgelegt. Also die Zeit zwischen Sonnenauf- und Untergang. Wurde innerhalb dieser Zeitspanne kein Beschluss gefasst, wurde die Sitzung vertagt.

Römischer Senat: Senatoren kommen zusammen

Vor Beginn der Senatoren-Sitzung holte der Magistrat Auspizien ein und prüfte die Beschlussfähigkeit der Versammlung. Unentschuldigtes Fehlen wurde mit einem Strafgeld geahndet. Die Beratungen begannen mit einer Vorlage des Magistraten (relatio). Nicht-Magistraten (Priester, Gesandte und ähnliche) durften diese lediglich mit erklärenden Darlegungen (verba facere) ergänzen. Gab es keinen Diskussionsbedarf, schritten die Senatoren zur Abstimmung (discessio). War man sich uneins, wurden die Senatoren reihum um ihre Meinungsabgabe (sententia) gebeten. Diese erfolgte nach einer strikten Rangordnung: Zuerst wurden die dienstältesten patrizischen ehemaligen Censoren, dann die Consulare, die ehemaligen Praetoren, bis hin zu den nieder rangigsten Senatoren befragt. Sulla änderte dies schließlich und ließ die Consuln des nächsten Jahres (consules designati) ihre erste Meinungsabgabe entrichten.

Römischer Senat: Das Abstimmungsverfahren

Jeder Senator konnte entweder eine Stellungnahme mit Beschlussantrag (sententia) abgeben, zustimmen (assentiri), oder aufstehen und sich zum Vorredner begeben. Daher wurden die niederrangigeren Senatoren häufig als pedarii bezeichnet wurden. Da die Redezeit der einzelnen Senatoren nicht begrenzt war, konnten die hochrangigen Senatsmitglieder Beschlussfassung verhindern, indem sie bis zum Sonnenuntergang redeten!

Ebenso konnten auch themenfremde Anträge in die sententiae eingebracht werden. Schließlich fasste der Vorsitzende das Spektrum der Meinungen der Senatoren zur Abstimmung zusammen und die Entscheidungsfindung begann. Diese erfolgte durch discessio (Entscheidung): die Befürworter des Antrags versammelten sich auf der einen Seite des Vorsitzenden, die Gegner auf der anderen. Der Vorsitzende legte das Abstimmungsergebnis fest. Durch intercessio des Amtskollegen konnte allerdings die Beschlussfassung vereitelt werden. Wenn der Beschluss stand, wurde er durch die Senatsschreiber unter Aufsicht einiger Senatoren protokolliert und schließlich veröffentlicht.

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