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Römer Lexikon

Libertas: Antike Personifikation der Freiheit

L Buchstabe
“L” steht für Libertas – via wikimedia commons.

Römische Libertas: Freiheit in Person

Nicht nur die berühmte Freiheitsstatue in New York ist nach der römischen Göttin der Freiheit benannt. Diese gehört übrigens seit 1984 zum Weltkulturerbe und war ein Geschenk der Franzosen an die Amerikaner anlässlich der Feierlichkeiten zum Gedenken der Unabhängigkeit Amerikas.

Für die Römer waren veritas (die Wahrheit), iustitia (die Gerechtigkeit) und libertas (die Freiheit) Göttinnen, denen die Römer seit der Zeit der römischen Republik Tempel errichteten. Überall in der Stadt Rom begegnet man Inschriften, denen das Konzept der Freiheit verschrieben war.

Am häufigsten findet sich das „L“ für Libertas in Inschriften an Grabbauten, bei denen Reliefs mit Porträts so in die Fassaden eingesetzt waren, dass die Gesichter wie aus einem Fenster auf die Straße blickten. Die Antlitze sahen aus wie „echte Römer“ der Republik, etwa Mitglieder der Oberschicht wie Cato oder Caesar.

Libertas und liberti – Die Freiheit der Freigelassenen

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Freiheitsstatue by stinne 24 pixabay.

Das „L“ galt jedoch noch einem weiteren Kontext im antiken Rom. Im sozialen Zusammenhang bedeutete libertus und liberta, Freigelassener und Freigelassene – also ehemalige Sklaven, die von ihrem Herrn freigelassen wurden und ihre neu gewonnene Freiheit durch das beigefügte „L“ und durch die selbstbewusste Eigendarstellung im Porträt ausdrückten.

Freiheit war in diesem Sinne die persönliche Freiheit als Freilassung aus einem unfreien Rechtsstatus. Freigelassene erhielten römisches Bürgerrecht und bürgerliche Freiheit. Libertas stand im Gegensatz zur servitus, Sklaverei. Bei der Freilassung von Sklaven in der römischen Republik und Kaiserzeit spielte beim entsprechenden Ritual eine konische Mütze, der pileus, eine Rolle. Diese den freien Bürger kennzeichnende Kopfbedeckung wurde im Freiheitsritual dem Sklaven als Symbol für neue Freiheit auf den geschorenen Kopf gesetzt. Als Symbol der Freiheit stand der pileus auch bei politischen Auseinandersetzungen des ersten Jahrhunderts vor Christus.

Libertas restituta – Die wieder hergestellte Freiheit

Der pileus zierte auch in den Jahren nach Caesars Ermordung auch Münzen. Auf der einen Seite der Denare ist der pileus zwischen zwei Dolchen zu sehen. Darunter eine Legende, die auf die Iden des März verweist. Auf der anderen Seite ist der Kopf des „Caesar-Mörders“ Brutus abgebildet. Die Tat des älteren Brutus, der den letzten König vertrieb, wiederholt sich in der Tat des jüngeren Brutus, der den nach Königsmacht strebenden Caesar ermordet. Beide Taten sind Akte der Befreiung von der Königsherrschaft und Grundlage für die Gründung und Rettung der Republik. Der jüngere Brutus hatte nach eigener Selbstdarstellung die Republik und die politische Freiheit vor jenem Mann geschützt, dem der Senat im Jahre 46 v, Chr. einen Tempel für die Göttin Libertas errichten wollte. Die Senatoren gaben Caesar den Namen Liberator (Befreier), und beschlossen, mit Zustimmung des Volkes, die Errichtung eines Tempels für Libertas“.

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