Der Mythos um die römische Göttin Nemesis

Nemesis Neapel

L’alata Nemesi (Vendetta) punta il dito verso la nave di Teseo che ha appena abbandonato Arianna, in lacrime. Creative Commons.

Gottheit Nemesis

Die römische Göttin Nemesis galt in der antiken Mythologie als Göttin des „gerechten Zorns“ und wurde damit auch zur Rachegottheit.

Ihre Begleiterin ist die Göttin Aidos, die Scham. Die „Rachegottheit“ Nemesis bestraft vor allem die menschliche Selbstüberschätzung und die Missachtung von Themis, dem göttlichen Recht und der Sittlichkeit. Sie ist in unserer heutigen Anwendung bezeichnet in der Regel eine ausgleichende, vergeltende Gerechtigkeit oder einen ewigen Gegenspieler.

Der Mythos um die römische Gottheit Nemesis

Sie war war eine Tochter der Nyx (Nacht), entweder nur von dieser geboren oder die Tochter der Nyx und des Erebos, beziehungsweise Tochter des Okeanus. Der Göttervater Zeus paarte sich der Sage nach mit ihr in der Gestalt eines Schwans, nachdem sie aus Scham und gerechtem Zorn vor seinen Nachstellungen geflüchtet war. Auf ihrer Flucht über das Meer verwandelte sie sich in einen Fisch. Am Rand der Erde angelangt, verwandelte sie sich erneut in eine Ente oder Gans, mit der Zeus als Schwan die Helena zeugte, um deren Willen schließlich der Trojanische Krieg geführt wurde. In einer anderen Version der Geschichte spielt Aphrodite die Göttin Nemesis Zeus zu, indem sie sich als Adler auf den Schwan stürzt, der sich in den Schoß der Nemesis flüchtet. In beiden Sagen wird das Ei zu Leda gebracht, die Helena aufzieht. Schwan und Adler sind heute noch Sternbilder.

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Die doppelte Nemesis aus Ephesus

Die Attribute der Gottheit sind vielfältig. Einerseits hält sie einen Zweig von einem Apfelbaum in der Hand und wird von einem Greif begleitet. Wie zum Beispiel die Furien kann auch die Nemesis in der Mehrzahl (Nemeseis) angerufen werden. Zwei Nemeseis wurden in Smyrna verehrt, die der Sage nach bei dem dortigen Heiligtum Alexander dem Großen im Traum erschienen, als er nach der Jagd unter einer Platane einschlief: Sie forderten ihn zur Neugründung der Stadt Smyrna auf, wo sich ihre älteste Kultstätte befand. Das Orakel des Apollon zu Klaros bestätigte diese Anweisung. In dem von Aischylos verfassten „Der gefesselte Prometheus“ heißt die Göttin Nemesis auch Adrasteai („die Unentfliehbare“). In Ovids Metamorphosen wir sie Rhamnusia genannt, nach ihrem Heiligtum mit dem berühmten Kultbild in Rhamnous.

Der orphische Hymnos an die Göttin

Dass im römischen Glauben die Göttin Nemesis mehr Richterin als Rächerin war, macht der Orphische Hymnos „An Nemesis“ deutlich:

„Ich rufe Dich, Nemesis!
Höchste!
Göttlich waltende Königin!
Allsehende, Du überschaust
Der vielstämmigen Sterblichen Leben.
Ewige, Heilige, Deine Freude
Sind allein die Gerechten.
Aber Du hassest der Rede Glast,
Den bunt schillernden, immer wankenden,
Den die Menschen scheuen,
die dem drückenden Joch
Ihren Nacken gebeugt.
Aller Menschen Meinung kennst Du,
Und nimmer entzieht sich Dir die Seele
Hochmütig und stolz
Auf den verschwommenen Schwall der Worte.
In alles schaust Du hinein,
Allem lauschend, alles entscheidend.
Dein ist der Menschen Gericht.“

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