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Römer Lexikon

Calamus: das antike Schreibrohr der Römer

Tinten
Mit der Schreibfeder aus Schilfrohr – genannt calamus – beschrieben die Römer zum Beispiel Papyrus – mehr dazu im Römershop.

Calamus: Der antike Füllfederhalter

Ein Calamus (Kalamoi) ist das Schreibrohr oder die Rohrfeder aus Schilfrohr, das während der gesamten Antike benutzt wurde.

Das natürliche Rohr wurde schräg angeschnitten und die Spitze gespalten. Geschrieben wurde mit Tinte auf Papyrus oder Pergament. Wegen der schnellen Abnutzung muss das Rohr während des Schreibens oftmals nach geschnitten -also gespitzt – werden.

Die Antike kannte auch bereits auch Kalamoi aus Metall. Zu den ältesten bekannten Exemplaren gehört ein Bronzekalamos, der zusammen mit einer Papyrusrolle in einem Grab des 5. Jhd. v. Chr. in Attika (Griechenland) gefunden wurde. Vogelfedern als Schreibgerät sind in der Antike nicht vor dem 6. Jhd. n. Chr. erwähnt.

Calamus: das antike Schreibrohr

Die alten Griechen verfassten über ihr Schreibgerät sinnreiche Verse. So lässt etwa ein anonymes Epigramm aus dem 3. Jhd. v. Chr. das Schreibrohr über sich selbst sprechen: „Ich, das Rohr, war einst eine nutzlose Pflanze; denn mir / Gedeihen weder Feigen, noch Äpfel, noch Trauben. / Doch weihte mich ein Mann den Musen, indem er mir feine / Lippen schnitt und einen engen Fluss wie durch einen Kanal leiten ließ. / Sooft ich nun dunklen Trank trinke, spreche ich geradezu göttlich / Jedes Wort mit diesem stummen Mund.“

Calamus

Ein frivoles Gedicht des Dichters Ammianos mit der Anspielung auf Fellatio ist aus dem 2. Jhd. n. Chr. erhalten: „Nicht, weil du das Schreibrohr leckst, deswegen mag ich dich nicht / Sondern weil du das auch ohne Schreibrohr tust.“

Beim Schreiben setzten sich die Griechen und Römer übrigens nicht, wie die alten Ägypter, auf den Boden, sondern auf einen Sessel. Die Schreibfläche lag aber zunächst noch auf dem Bein des Schreibers. Entweder hatte dieser ein Bein über das andere geschlagen oder ein Bein höher gestellt, um darauf den zu beschreibenden Stoff zu positionieren. Erst in der Zeit um 200 n. Chr. bürgerte sich das Schreiben an einem Pult oder Tisch ein.

Qualam: das Calamus des Orients

Der Qalam ist im Orient bis in die Neuzeit in Gebrauch. Er ist das wichtigste Schreibgerät der arabischen und der hebräischen Schrift und deren Kalligraphie. Die Rohrfeder gilt im Islam als edelstes der Schreibgeräte. Die Erwähnung des Schreibrohrs im Koran geschieht an zentraler Stelle. Die Offenbarung des Korans durch den Engel Gabriel an Mohammed beginnt in der 96. Sure mit folgenden Zeilen: „Trag vor! Dein Herr ist edelmütig wie niemand auf der Welt, er, der den Gebrauch des Schreibrohrs gelehrt hat.“

Hatten Römer Geheimtinte?

Aber ja! Für Liebesbriefe benutzten sie beispielsweise einen Stylos und tunkten ihn nicht in Tinte, sondern in frische Milch! Wer Kohlenstaub darauf gab, konnte die geheime Nachricht lesen. Täuschen konnte auch die Schrift mit der Spitze eines feuchten Leinstengels. Das Täfelchen schien leer, enthielt aber dennoch die geheime Botschaft.

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