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Römer Lexikon

Scheidung der Ehe im antiken Rom

Wachstafel_England
Die Wachstafel mit dem Ehevertrag wurde zerbrochen als Zeichen einer gescheiterten Ehe – Tafeln gibt es im Römershop.

Die Scheidung einer Ehe im antiken Rom

Mit der Zeit gab es auch im antiken Rom Scheidungen von Ehen. Frauen verließen ihre Männer – sogar in Abwesenheit!

Vergessen waren die Gesetze, nach denen der Mann seine Frau nur verstoßen durfte, wenn sie die Kinder vergiftete, Nachschlüssel verwandte oder Ehebruch begangen hatte … Seneca bemerkte die Veränderung mit den Worten: „Heutzutage zählen die Frauen die Jahre nicht mehr nach den Konsuln, sondern nach Ehegatten.“ Viri placa hieß der Tempel, wohin früher zerstrittene Eheleute gingen – in den Tempel der Göttin der Versöhnung. Eine Aussprache führte meist zur Fortführung der Ehe. Mit der Zeit jedoch gingen immer mehr Ehepaare im Streit zum Prätor und ließen sich dort rechtmäßig scheiden.

Rom: Die rechtmäßige Scheidung

Die rechtmäßige Scheidung konnte in Rom nur in Gegenwart von einem Beamten vollzogen werden. Sieben erwachsene, römische Bürger mussten als Zeugen zugegen sein. Vor ihnen wurden die Täfelchen mit dem Ehevertrag zerbrochen.

Es soll jedoch auch vorgekommen sein, dass ein Mann sich schon beim Prätor noch habe anders entschieden. Ovid beschreibt eine solche Szene: „Er sah seine Frau aus der Sänfte steigen, um beim Prätor einzutreten, wohin er sie bestellt hatte, lief zu ihr hin, umarmte sie und rief aus: Deine Schönheit hat gesiegt! – So verstieß Maecenas tagtäglich seine Frau und machte ihr sofort darauf wieder den Hof, um die halbzerrissenen Ehebande von Neuem zu knüpfen; tausendmal, heißt es, habe er geheiratet, aber immer ein und dieselbe Frau.“

Unromantisch: Die Verstoßung!

Die Verstoßung des Ehepartners ging wesentlich „unromantischer“ von Statten. Seinen Freunden berichtet der Mann die Beweggründe für die Verstoßung der Frau. Diese werden dann den Zensoren übermittelt und der Mann schwört, dass seine Gründe rechtmäßig seien. Dann holt er die Frau und nimmt ihr den Schlüssel für das gemeinsame Heim ab. Vor Zeugen sagte er: „Leb wohl, nimm dein Vermögen; gib mir das Meine.“ Auch eine Verstoßungsurkunde konnte in Abwesenheit der Frau diesen Zweck erfüllen. Und auch Frauen konnten auf diese Art und Weise umgekehrt ihren Mann des Hauses verweisen.

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Wachstafel_England

Quelle: Paul Werner, „Leben und Liebe im alten Rom“, Bertelsmann, 1977.