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Römer Lexikon

Sintflut und zerriebene Schiffe: das Schwarze Meer

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Bewohner des Schwarzen Meeres – via wikicommons; image created by © Yuriy Kvach.

Die Sintflut und das antike Schwarze Meer

Durch eine sagenhafte Naturkatastrophe ist das Schwarze Meer bis heute mit der Besiedlung der Menschen Europas verbunden.

Im ausgehenden Neolithikum, der Jungsteinzeit, war das Schwarze Meer noch ein Binnenmeer. Die Oberfläche des Gewässers lag 150 Meter unterhalb des Meeresspiegels des Mittelmeers. Um 7.750 v. Chr. brach dann die Landbarriere beim Thrakischen Bosporus und flutete das Meeresbecken.

Innerhalb von 24 Stunden wanderte die Küstenlinie ins Land. Die Menschen mussten sich vor den Fluten in Sicherheit bringen und besiedelten daraufhin nach und nach den europäischen Kontinent. Die zahlreichen Sintflut-Erzählungen vieler unterschiedlicher Völker basieren vermutlich zum großen Teil auf diesem einschneidenden Naturereignis.

Das Schwarze Meer zerreibt die Schiffe

Den Griechen wurde das Schwarze Meer als dunkles, tiefes und kaltes Gewässer bekannt, das zudem von zahlreichen Stürmen heimgesucht wurde. Die Küsten selbst, besonders im Osten, waren für die antike Schifffahrt und Navigation nicht geeignet. Die größten Schwierigkeiten machten jedoch die Meeresströmungen, die an den Meerengen herrschten. Oberflächen- und Tiefenströmungen wechseln sich dort ab und lieferten manche Legende der Mythologie; etwa die von den Symplegaden, von den auseinander treibenden und wieder zusammen stoßenden Felsen, die sogar Schiffe zerreiben! Auch war für die Griechen, die aus ihrer Heimat kaum große Flüsse kannten, die enormen Zuflüsse in den Pontos ein Wunder der Natur! Ströme wie die untere Donau, Hypanis (Bug), Borysthenes (Dnejpr) und Tyras (Dnjestr) ergossen sich ins Schwarze Meer.

Fruchtbare Küste des Schwarzen Meeres

Vor allem die nördlichen und westlichen Küsten des Schwarzen Meeres waren besonders fruchtbar. Sie lieferten Naturrohstoffe wie Getreide, Hanf und Holz. Die Nord- und Südküste waren zudem reich an Fisch, was für die frühe Kolonisierung vom 7. bis zum 3. Jhd. v. Chr. ausschlaggebend war. Die Hauptstadt war Milet und die wichtigsten Kolonien waren Sinope, Trapezus, Olbia, Histria, Apollonia, Chersonesos, Mesambria und Herakleia Pontika.

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Das römische Schwarze Meer

Mit der Eroberung Griechenlands, Thrakiens und Kleinasiens wurde das Schwarze Meer zu einem Meer Roms, das aber nicht als Grenze sondern vielmehr als Handelsweg Bedeutung erhielt. Armenien und das Bosporanische Reich wurden so von den Römern über den Seeweg erreicht. Auf dem so genannten Pontos Euxinos kamen mehrere Flotten zum Einsatz. Seit Mitte des 3. Jhd. n. Chr. erlernten Germanenstämme auch die Kunst der Seefahrt über das Schwarze Meer und bedrohten die römischen Küsten bis ins Mittelmeer hinein. Im Norden setzten sich schließlich die Ostgoten fest und gründeten ein blühendes Reich. Ihnen setzten die Hunnen, die Alanen und die Bulgaren nach. Dennoch blieb der Pontos Einflussbereich Ostroms und später auch von Byzanz.